Japan – Kultur des Schenkens nicht nur zur Weihnachtszeit | NTT DATA

Donnerstag, 13. Dez 2018

Japan – Kultur des Schenkens nicht nur zur Weihnachtszeit

Weihnachten steht vor der Tür und damit vielerorts die alljährliche Hochsaisons des Schenkens und Beschenktwerdens, was hierzulande für manchen in Stress auszuarten droht, in Japan hingegen ganzjährig den Alltag der Menschen prägt.

Dass dem Austausch von Geschenken in Japan eine besondere Bedeutung zukommt, spiegelt sich bereits in der japanischen Sprache wider. Dies wird vor allem in den dort oftmals verwendeten komplexen Ausdrücken deutlich, die sich aus einem sprechenden Verb und einem Verb des Gebens oder Entgegennehmens zusammensetzen. Dadurch wird das grundsätzliche Verständnis sozialer Beziehungen deutlich, die durch ein stetiges Geben und Nehmen geprägt sind.

ZOTO ist Geben und Nehmen

Dieses Prinzip des Geben und Nehmens, das im Japanischen durch den Begriff zōtō ausgedrückt wird, spiegelt sich in allen Lebensbereichen wider, dessen Anwendung ebenso wie im Sprachgebrauch nicht willkürlich erfolgt. Vielmehr ist es fester Bestandteil eines sozialen Systems, in dem unter anderem das Ansehen des Schenkenden sowie des Beschenkten eine wichtige Rolle spielen.

Auch im beruflichen Umfeld sind Gastgeschenke von zentraler Bedeutung, wobei bei diesen auf einen angemessenen Wert zu achten ist, um weder den Beschenkten noch den Schenkenden in Verlegenheit zu bringen. Darüber hinaus steht der Bekanntheitsgrad von Produkt oder Markenname mehr als Originalität des Geschenks im Vordergrund. Allerdings ist in den letzten Jahren ein wachsender Trend weg von rein formellen Präsenten hin zu persönlicheren Geschenken erkennbar.

Nun stellt sich die Frage, zu welchen Anlässen es überhaupt zu einem Austausch von Geschenken kommt. Hierzu ergeben sich im zōtō-System eine Vielzahl an Möglichkeiten:

Blog-Japan-Kultur-Schenken-2018-12

Otoshidama お年玉

Zum Jahresbeginn erhalten Kinder oftmals Geldgeschenke von erwachsenen Familienmitgliedern.

Ochugen  – お中元

In der Mitte des Jahres, in der Regel von Anfang bis Mitte Juli, bieten sich unübersehbar in allen japanischen Kaufhäusern diverse Möglichkeiten zum Erwerb eines Mitjahresgeschenks.

Oseiboお歳暮

Zwischen Anfang und Mitte Dezember, trotz des Zeitpunkts jedoch nicht als Weihnachtsgeschenke gedacht, werden gerne Dinge wie Markenartikel, Delikatessen und hochpreisige Spirituosen verschenkt.

Diese Präsente werden sowohl im privaten wie auch beruflichen Umfeld unter Geschäftspartnern ausgetauscht als Dank und zur Festigung der guten Beziehungen.

Schenken verbindet

Daneben werden Geschenke zu diversen Anlässen gemacht, z.B.:

Zur Geburt (Otanjo iwai) –  お誕生祝い

Zur Volljährigkeit (Seinen iwai) – 成人祝い

Zur Hochzeit (Kekkon no okurimono) – 結婚祝い

Zum Besuch von Freunden (Temiyage) – 手土産

Zum Umzug (Hikkoshi soba) – 引っ越し蕎麦 (oftmals Soba-Nudeln)

Der damit einhergehende wirtschaftliche Faktor ist unverkennbar. Dennoch ist dieser Austausch von Geschenken nicht mit einer normalen wirtschaftlichen Transaktion vergleichbar und basiert eher auf nicht-wirtschaftlichen Grundsätzen. Der Zweck eines Geschenks besteht nicht darin, sich kurz- oder langfristig Vorteile oder Profit zu verschaffen, sondern vielmehr darin, eine Beziehung aufzubauen und zu erhalten. Grundsätzlich gilt hierbei aber der Grundsatz, dass alle Geschenke früher oder später in irgendeiner Form erwidert werden sollten, was jedoch nicht immer unbedingt in exakt gleicher Weise oder Höhe erfolgen muss.

In Japan werden zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten Geschenke gemacht. Hierbei handelt es sich üblicherweise um Kleinigkeiten, vor allem Essbares, die beim ersten Geschäftsessen ebenso wie bei einem Besuch im privaten Bereich, aber auch als Mitbringsel nach einer Reise ausgetauscht werden und in der Regel durch ein Gegengeschenk (außer bei Dankesgeschenken) von nicht minderem Wert bei nächster Gelegenheit zu erwidern sind.

Auf die Verpackung kommt es an

Von besonderer Bedeutung ist in Japan die Verpackung eines Geschenks. Die Ästhetik der Verpackung ist manchmal entscheidender als das Geschenk selbst. Eine traditionelle Form der Verpackung stellt das Furoshiki (jap. 風呂敷) dar, ein in der Regel hochwertiges, quadratisches, wiederverwendbares Tuch, für dessen adäquate Verwendung vom japanischen Umweltministerium sogar eine eigene Gebrauchsanweisung herausgegeben wurde.


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