Studieren und arbeiten in Japan | NTT DATA

Dienstag, 13. Aug 2019

Studieren und arbeiten in Japan: eine Reise durch die Kultur

Schon während des Studiums wertvolle Erfahrungen in Japan sammeln: Was gibt es bei der Zusammenarbeit japanischer und deutscher Kollegen zu beachten? Wie sehen die kulturellen Unterschiede und Gemeinsamkeiten aus? Mario Harms berichtet über seinen spannenden Berufseinstieg in Japan und gibt wertvolle Tipps für die interkulturelle Kommunikation.

Frage: Mario, du hast schon viele Erfahrungen in Japan und mit japanischen Unternehmen gesammelt. Wie kam es zu deinem besonderen Interesse für die japanische Wirtschaft und für dein ausgewähltes Studium?

Mario: Das ist eine sehr gute Frage. Ich hatte früher kaum persönlichen Bezug zu Japan. Stark beeinflusst hat mich mein Interesse für Geschichte, denn Japan ist eines der wenigen Länder der Welt, welches nie kolonialisiert wurde und daher seine ganz eigene Kultur stärker bewahrt hat als andere Länder. Auch die im Vergleich zu Deutschland ähnliche Wirtschaftsstruktur mit Fokus auf Produktion statt reiner Finanzwirtschaft, wie zum Beispiel in Großbritannien, war mir einfach sympathisch. Dazu kamen die damals zahlreichen Kollaborationen zwischen westlichen und japanischen Firmen wie Siemens-Fujitsu, Daimler-Chrysler-Mitsubishi, VW-Suzuki, Sony-Ericsson etc. Das zeigt doch, dass in der Vernetzung der Kulturen Zukunft ist. Also wählte ich im Studium Angewandte Wirtschaftssprachen und internationale Unternehmensführung (AWS) Japan.

Studieren und arbeiten in Japan

Frage: In deinem Studium und anschließendem Japanaufenthalt konntest du sicher viel über die Kultur und Arbeitsweise in Japan lernen. Was gilt es aus deiner Sicht in der globalen Zusammenarbeit mit Japan zu berücksichtigen?

Mario: Japan hat eine ganz besondere Kultur und die eigenständige Entwicklung bewirkt manche anderen Denkmuster. Alles folgt einer Logik und gewissen Regeln, dennoch sind es oft grundlegende kulturelle Unterschiede, die zu anderen Schlussfolgerungen und Ergebnissen führen, als es der normale Westeuropäer erwartet. Im Vorhinein sollte man sich dessen bewusst sein, ein klares Ausgangsverständnis schaffen und offen für andere Denkmuster sein.

„Es ist bekannt, dass sich die japanische und deutsche Kultur sehr ähneln. Zumindest schätzen sie beide dem Stereotyp nach Pünktlichkeit, Ordentlichkeit und Sauberkeit.“

Auf dieser abstrakten Ebene stimmt das, aber kleine Details machen den Unterschied. Japaner würden beispielsweise ein Treffen eher absagen, als es mehrfach verschieben zu müssen oder gar zu spät zu kommen.

Frage: Wie können Deutsche und Japaner aus deiner Sicht gut zusammenarbeiten?

Mario: Meiner Meinung nach ist es die Ergänzung von starken Eigenschaften – und die Kenntnis über die Unterschiede. Die strikte Regelauslegung beispielsweise kann im Japanischen zu weniger Problemen führen, da durch Besonderheiten der Sprache und der Umgangsformen vieles im vagen bleibt. Es gibt im Japanischen keinen Plural, man kann Sätze ohne Subjekt bilden und formuliert auch gerne ohne explizite Personen- oder Aufgabenzuweisung. Verbreitet ist zum Beispiel die Bitte, sich „um das Problem zu kümmern“ oder es zu „prüfen“ (確認する - kakunin suru). Wie das erledigt wird, ist dann der nächsten Ebene überlassen, wohingegen präzisere Anweisungen wortgetreu ausgeführt werden. Dabei wird Wertschätzung großgeschrieben: Wenn Ergebnisse nicht dem gewünschten Ziel entsprechen ist es in Japan oft wichtiger, dass sich die Person im Rahmen ihrer Möglichkeiten angestrengt hat (頑張る - ganbaru). Deutsche sind da oft eher pragmatisch veranlagt. Manchmal vielleicht auch zu pragmatisch – hier ergänzen sich Japan und Deutschland dann wunderbar.

„In Japan definiert man sich über die Uni: Japaner lernen neben der Schule oder in einem Gap Year als „Ronin“ (浪人) für die Aufnahmeprüfung an einer Elite-Uni.“

Japaner sind aber echte Generalisten. Das ist einer dieser fundamentalen Unterschiede, die den Umgang miteinander prägen und auf das Bildungssystem zurückgehen. In Europa oder Amerika studiert man ein bestimmtes Fach, um anschließend dieses Fachwissen für seinen Beruf zu nutzen. Der Abschluss der Uni ist der Punkt, an dem man sein Wissen gesammelt hat. Japan funktioniert hier anders: Man definiert sich über die Uni. Die Eingangsprüfungen der Unis sind richtig schwer. Dafür lernen Japaner neben der Schule und zum Teil ein Jahr nach der Schule in einem Gap Year als „Ronin“ (浪人; ursprünglich im feudalen Japan ein herrenloser Samurai). Ein Ronin ist nach heutiger Bedeutung ein junger Mensch mit Schulabschluss, der noch keine feste Anstellung und auch noch keinen Universitätsplatz hat. Manchmal ist ein Japaner bewusst drei Jahre lang Ronin, um auf die Zulassung der Top-Universität zu warten. Mit der Zulassung an so einer Elite-Uni sind der Abschluss und der weitere Lebensweg quasi gesichert. Nach dem Abschluss definiert man sich dann beispielsweise nicht als Maschinenbauer – oder wie ich als Wirtschaftsphilologe – sondern als Absolvent der Uni XY.

„Der Mensch und die Gemeinschaft stehen im Fokus.“

Japanische Firmen geben ihren Mitarbeitern gerne die Möglichkeit, völlig verschiedene Abteilungen und Aufgaben kennenzulernen. Die Person fängt dann bei jedem Wechsel quasi von Null an. Doch das spielt keine Rolle, da Entscheidungen ja normalerweise im Konsens mit den anderen und älteren, gut eingearbeiteten Kollegen gefällt werden. Der Mensch und die Gemeinschaft stehen im Fokus: Man redet mehr und auch offener miteinander, während man nicht als Experte die alleinige Verantwortung für eine gewisse Entscheidung tragen muss. Das führt zu einer Selbstidentifikation mit dem Unternehmen und den Kollegen, also mit der Gruppe über dem Individuum.

Für meine japanischen Bekannten war es daher völlig unverständlich, warum ich damals ein Praktikumsangebot von BMW ausschlug und zu einer kleinen, unbedeutenderen Personalberatung gegangen bin, bei der mich aber die Tätigkeit und der Aufgabenbereich mehr interessiert hat. Eine große und berühmte Firma oder Uni ist identitätsstiftend für das ganze Leben eines Japaners.

Frage: Welche Tipps kannst du uns aus deinen Erfahrungen geben?

Mario: Einiges hat mir die Uni mitgegeben, vieles habe ich durch meine Gastfamilie und durch „Fettnäpfchenwetthüpfen“ schmerzhaft selbst erlernt. Sei es an der Uni, im Praktikum, später bei meiner ersten Arbeitsstelle bei ABeam Consulting oder mit McKinsey-Projekten in Japan. Nach meinem Studium habe ich bei einer japanischen Unternehmensberatung in Frankfurt angefangen und durfte direkt für ein Traineeprogramm nach Japan. Von den rund 100 Teilnehmern waren es mit mir drei Deutsche, sonst nur Japaner. Hier habe ich auch sehr viel gelernt. Meine Tipps sind:

  1. Viel trial-and-error: ich war insgesamt vier Jahre in Japan und ehrlich gesagt habe ich noch lange nicht das Gefühl, ausgelernt zu haben. Als ich mit McKinsey nach vier Jahren Deutschland erneut in Japan war, hat meine vorherige Erfahrung doch sehr geholfen, einige kulturelle Fehler zu vermeiden. Ich hatte direkt mehr Verständnis für die japanische Seite, auch wenn die Arbeit nicht völlig ohne Missverständnisse klappte.
  2. Daher glaube ich sind die wichtigsten Dinge, die man für die internationale Zusammenarbeit lernen kann: Geduld, Offenheit, Verständnis und viel Ruhe um sich die Welt gegenseitig immer wieder neu zu erklären, sie neu zu entdecken und besser zu verstehen.
  3. Last but not least: Ein japanisches Unternehmen als Arbeitgeber hilft, die Kultur weiter zu festigen. Ich kann nur jedem empfehlen, einmal in diesen Genuss zu kommen. Meine Wahl fiel schlussendlich auf NTT DATA.

Frage: Warum hast du dich entschieden, zu NTT DATA zu wechseln?

Mario: Ich habe die Kultur und Sprache Japans vermisst und wollte meine Erfahrungen und Kenntnisse wieder regelmäßiger einbringen, ohne die Work-Life-Balance aus den Augen zu verlieren – wie bei McKinsey Japan. NTT DATA ist da perfekt als Teil von NTT: das Unternehmen ist extrem bekannt in Japan, sehr innovativ und hat eine beispiellose Kundenzufriedenheit.  Das hat mir gefallen. Außerdem lässt sich die Schriftsprache mit ihren mehreren tausenden Zeichen zu leicht vergessen, wenn man sie nicht regelmäßig übt. Ich finde es richtig klasse und freue mich sehr über meinen regelmäßigen Kontakt zu Japan. So kann ich die Sprache wieder regelmäßig nutzen und üben.

Studieren und arbeiten in Japan - Stadt

Frage: Das klingt alles sehr spannend! Lass uns nochmal ganz an den Anfang zurückgehen: Warum hast du diesen sehr speziellen und gewagten Studiengang gewählt?

Mario: Ja, es ist einfach meine Art, mich vor überfüllten BWL-Hörsälen zu drücken und gleichzeitig ein kleines Abenteuer zu suchen. Vor meinem ersten Tag an der Uni hatte ich nie mit einem Japaner gesprochen, nur sehr wenig japanisch gelernt und meine gesamte Aussprache vom Sprecher einer Sprach-CD imitiert. Sprachen zählten in der Schule immer zu meinen schlechtesten Fächern und so war ich gespannt, ob ich mir nicht zu viel zumute.

Im dritten Studienjahr durften wir ins Ausland gehen und so war es klar, dass ich nur zwei Jahre Zeit hatte, um richtig gut Japanisch zu lernen. Zumindest so gut, dass es für den Alltag an einer Partneruni in Japan reicht – und ein sechsmonatiges Praktikum im Anschluss. Dazu kam eine herausfordernde Aufgabe: die beiden Silbenschriften für Japanisch mussten wir binnen zwei Wochen komplett verinnerlicht haben. Obwohl die Sprache der kleinere Anteil meines Studiums war, habe ich dann eben die meiste Zeit des Lernens dafür genutzt. Am Ende hat sich der Aufwand gelohnt.

Studieren und arbeiten in Japan

Frage: Wie war es in Japan und an welche Universität bist du und die anderen Studierenden gegangen?

Mario: Vorab: Viele haben vorher schon abgebrochen. Japanisch und Wirtschaft vereint heißt auch, dass diejenigen, die es zuvor entweder mit Mathe oder Sprachen einfach hatten, jetzt auch an ihre Grenzen kamen. Viele sind dann zu reiner Wirtschaft oder nur Sprachstudium gewechselt.

In Japan gab es mehrere Partneruniversitäten. Ich hatte Glück: Die Sophia Universität in Tokyo ist gut angesehen und war in dem Jahr das erste Mal unter den Partneruniversitäten. Meine Professoren schlugen mich für diese Uni vor, da ich zu den besten Studenten des Jahrganges gehörte. Sie halfen mir auch bei der Bewerbung um ein Stipendium. Die Bewerbung war erfolgreich und seitdem bin ich bei der Stiftung der Deutschen Wirtschaft aktiv. Ich muss zugeben, ohne dieses Stipendium hätte ich das Auslandssemester nicht unverschuldet überstanden: denn Japan war und ist sehr teuer.

Ich war also einer von zwei Austauschstudenten aus Bremen an der Sophia Universität in Tokyo für sechs Monate und habe noch ein Praktikum in einer Personalberatung drangehängt. Durch die Erfahrungen an der Uni und im Praktikum konnte ich tief in die Kultur blicken und habe viele wertvolle neue Freunde gefunden.

„Japan hat mein Herz, es ist jetzt ein Teil von mir!“

Vielen Dank für deine Einblicke, Mario! Klingt die Geschichte von Mario spannend für dich? Wir freuen uns immer über neue Talente mit Leidenschaft für IT. Unsere japanische Kultur macht uns einzigartig. Jetzt Karrierechancen auf unserer Karriereseite entdecken www.nttdata-besonders.de.


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