Die Risiken von Smart Charging: Wenn Ladepunkte zum Einfallstor für Angreifer werden | NTT DATA

Dienstag, 25. Aug 2026

Die Risiken von Smart Charging: Wenn Ladepunkte zum Einfallstor für Angreifer werden

München, 25. August 2026 – Mit dem Ausbau der Elektromobilität entsteht derzeit eines der am stärksten vernetzten Systeme der Energiewirtschaft. Was dabei gerne vergessen wird: Mit jedem intelligent gemanagtem Ladepunkt wächst ein komplexes Netzwerk aus Plattformen, Partnern, Protokollen und Datenströmen, das nur schlecht gesichert ist. NTT DATA, ein weltweit führender Anbieter von KI-, digitalen Business- und Technologie-Services, zeigt, wo die kritischen Schwachstellen liegen und warum einzelne kompromittierte Komponenten Auswirkungen auf ganze Stromnetze haben können.

Was wie ein einfacher Ladevorgang aussieht, ist technisch längst ein Zusammenspiel zahlreicher Systeme und Organisationen. So authentifiziert sich der Fahrer beispielsweise über die App eines E-Mobility-Service-Providers (eMSP), während die Ladesäule von einem Charge-Point-Operator (CPO) betrieben wird und mit einem Backend kommuniziert. Hinzu kommen Abrechnung, Roaming, das Fahrzeug, der Netzbetreiber und zunehmend intelligente Energiemanagementsysteme. Je stärker diese Komponenten miteinander interagieren, desto größer wird die Angriffsfläche. Trotzdem halten sich gefährliche Irrtümer hartnäckig.

  • Angreifer hacken zuerst die Ladesäule: Eine der gefährlichsten Fehleinschätzungen ist, den Ladepunkt selbst als primäres Angriffsziel zu betrachten. Tatsächlich können Kriminelle überall dort ansetzen, wo die Infrastruktur mit anderen Systemen kommuniziert. Eine kompromittiertes Verschlüsselungssystem, ein unsicherer Dienstleister oder ein angegriffenes Backend kann den Zugriff auf zahlreiche angeschlossene Ladepunkte, Kundendaten oder das gesamte Energienetz als kritische Infrastruktur ermöglichen. Damit verschiebt sich die Frage von „Wie sicher ist diese Ladesäule?“ zu „Welche Systeme dürfen mit ihr kommunizieren und wie vertrauenswürdig sind diese?“ Je mehr Betreiber, Mobilitätsanbieter und Plattformen beteiligt sind, desto schwieriger wird es, die gesamte Angriffskette zu überwachen und abzusichern. Ein Angreifer benötigt dann nicht zwingend einen direkten Zugang zur Ladeinfrastruktur. Ihm reicht es, ein schwächer abgesichertes Glied der Kette zu kompromittieren.
  • Manipulationen bleiben nicht unbemerkt: Nicht jeder erfolgreiche Cyberangriff legt gleich die komplette Infrastruktur lahm. Gerade bei Smart Charging können Manipulationen lange unauffällig bleiben. Veränderte Zählerstände, verfälschte Abrechnungsdaten, kompromittierte Kundendaten oder schleichend veränderte Ladeparameter verursachen möglicherweise zunächst nur einzelne Auffälligkeiten. Werden solche Veränderungen jedoch nicht erkannt, können sie sich über die verbundenen Systeme weiter ausbreiten. Deshalb reicht es nicht aus, Ladepunkte einmalig gegen bekannte Schwachstellen abzusichern. Betreiber müssen ungewöhnliche Veränderungen im Kommunikationsmuster, im Geräteverhalten oder in Steuerungsparametern erkennen. Das heißt, die Integrität und Authentizität der übertragenen Daten müssen geschützt und kontinuierlich überprüft werden.
  • Ein gültiger Schlüssel schützt den Nutzer: Moderne Ladeszenarien setzen zunehmend auf digitale Identitäten und Zertifikate. Plug-and-Charge-Szenarien nach ISO 15118-2 sollen den Ladevorgang komfortabler machen, indem sich Fahrzeug und Ladepunkt automatisiert authentifizieren. Die Sicherheit hängt damit allerdings nicht nur von Passwörtern oder Zugangskarten, sondern auch von einer funktionierenden Public-Key-Infrastruktur und einem zuverlässigen Management kryptografischer Schlüssel ab. Wird ein Zertifikat gestohlen oder eine Identität kompromittiert, kann ein Angreifer eine legitime Kommunikationsbeziehung vortäuschen. Besonders problematisch ist, dass solche Manipulationen von außen nicht erkennbar sein müssen. Die Ladesäule funktioniert, der Ladevorgang startet, aber im Hintergrund kann trotzdem eine falsche Identität kommuniziert oder ein Datenstrom manipuliert werden.
  • Der Schaden begrenzt sich auf den einzelnen Ladepunkt: Mit Vehicle-to-Grid (V2G) und Vehicle-to-Home (V2H) wird das Risikoprofil deutlich komplexer. Elektrofahrzeuge sind dann nicht mehr ausschließlich Verbraucher, sondern können auch Energie zurückgeben. Damit werden Batterien zu einem steuerbaren Bestandteil des Energiesystems. Genau diese Flexibilität ist energiewirtschaftlich attraktiv, macht Manipulationen aber auch gefährlicher. Werden Lastmanagementparameter gezielt verändert, können beispielsweise zahlreiche Ladepunkte gleichzeitig aktiviert, deaktiviert oder in ihrer Leistung verändert werden. Ein einzelner kompromittierter Ladepunkt mag zunächst kein Problem sein. Werden jedoch viele Systeme koordiniert manipuliert, können daraus Lastspitzen oder andere unerwünschte Schalthandlungen entstehen, die wiederum die Stabilität des kompletten Stromnetzes gefährden. Entscheidend ist deshalb, welche Steuerbefugnisse einzelne Systeme besitzen und wie sich diese im Fall einer Kompromittierung begrenzen lassen.

„Die Herausforderung bei Smart Charging besteht nicht darin, einen einzelnen Ladepunkt abzusichern. Entscheidend ist der Schutz der gesamten Prozesskette, was eine End-to-End-Überwachung aller Kommunikations- und Steuerungspfade einschließt. Nur so lässt sich verhindern, dass aus einer lokalen Schwachstelle ein systemisches Risiko entsteht“, sagt Konrad Fels, Head of EV Charging Business Development bei NTT DATA. „Technologisch braucht es dafür unter anderem Zero-Trust-Prinzipien, Netzwerksegmentierung, sichere Firmware-Updates, kontinuierliches Monitoring und ein professionelles Zertifikats- und Schlüsselmanagement. Ebenso wichtig ist ein systematisches Threat Modeling: Unternehmen müssen nachvollziehen, über welche Pfade sich ein Angreifer durch das Ökosystem bewegen könnte und an welchen Stellen ein Vorfall besonders hohe Auswirkungen hätte.“

NTT DATA auf der icnc26

Vom 1. bis 4. September 2026 trifft sich die E-Mobility-Branche auf der icnc26 (intercharge network conference) in Berlin. Die Experten von NTT DATA sind vor Ort am Stand D12 zu erreichen und stehen für den persönlichen Austausch mit Kunden, Partnern und Interessierten zur Verfügung. Darüber hinaus wird Konrad Fels, Head of EV Charging Business Development bei NTT DATA, im Rahmen der Konferenz einen Vortrag zum Thema „The Future of Smart Charging is End-to-End — without End-to-End lock-in.“ halten.