München, 14. Juli 2026 – Quantencomputer können bestimmte Berechnungen erheblich schneller durchführen als herkömmliche Computer. Die Technologie ist zwar noch ein gutes Stück von der Marktreife entfernt, macht aber schnelle Fortschritte. Daher kann es für Unternehmen sinnvoll sein, sich bereits jetzt mit ihr zu beschäftigen, sodass sie das disruptive Potenzial frühzeitig nutzen können. NTT DATA, ein weltweit führender Anbieter von KI-, digitalen Business- und Technologie-Services, erklärt, wie der Einstieg am besten gelingt.
Die Erwartungen an Quantencomputer sind riesig: Sie sollen Aufgaben, an denen selbst aktuelle Supercomputer monatelang arbeiten oder sogar scheitern, blitzschnell lösen. Dazu zählen vor allem Optimierungsaufgaben oder hochkomplexe Simulationen von Finanz- und Risikoszenarien. Interessant ist das für eigentlich alle Wirtschaftszweige, sodass viele Unternehmen vor der Frage stehen, wie sie in das Thema einsteigen und sich einen signifikanten Wettbewerbsvorteil verschaffen können.
Weil jedoch der Durchbruch in der Entwicklung von Quantencomputing-Hardware für viele kommerzielle Anwendungen noch aussteht, liegt der kurzfristige Mehrwert vor allem in der Quantum Readiness – also der organisatorischen, technischen und sicherheitsseitigen Vorbereitung auf das Quantencomputing-Zeitalter. Unternehmen sollten potenzielle Anwendungsfälle identifizieren, Daten und Prozesse für Pilotprojekte vorbereiten, Kompetenzen und Governance aufbauen sowie frühzeitig Sicherheitsfragen adressieren, insbesondere auch die Umstellung auf post-quantensichere Kryptografie. So schaffen sie die Voraussetzung, um später mit besserer Hardware schneller vom R&D-Piloten zur geschäftsrelevanten Anwendung zu gelangen.
NTT DATA empfiehlt folgendes Vorgehen:
- Kompetente Beratung in Anspruch nehmen: Der Einstieg ins Quantencomputing ist nicht nur wegen der komplexen Technologie anspruchsvoll, sondern auch, weil sich Plattformen, Toolchains und Best Practices derzeit schnell verändern. Die Gefahr, dass das aufwendig angeeignete Wissen rasch veraltet und viel investiert werden muss, um auf dem neuesten Stand zu bleiben, ist groß. Zumal Unternehmen sich mit einer Vielzahl von technologischen Ansätzen auseinandersetzen müssen, die jeweils eigene Vor- und Nachteile haben. Statt frühzeitig eine große Spezialorganisation aufzubauen, sollten sie daher zunächst einen klaren internen Owner benennen, etwa ein kleines Kernteam aus IT und Fachbereichen, und gezielt externe Expertise hinzuziehen. Ein erfahrener Partner kann bei der Ausarbeitung einer Roadmap, der Priorisierung von Use Cases, der Auswahl geeigneter Quantencomputing-Services sowie beim Prototyping von Algorithmen unterstützen, ohne dass Unternehmen sich vorschnell auf einen Anbieter oder eine Hardware-Architektur festlegen müssen.
- Geeignete Use Cases finden: Quantencomputing ist besonders vielversprechend bei Problemen, bei denen sehr viele mögliche Entscheidungen oder Szenarien bewertet werden müssen. Welche Anwendungsfälle sich künftig wirklich wirtschaftlich umsetzen lassen, ist jedoch noch offen, weil heutige Quantencomputing-Hardware in ihrer Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit beschränkt ist. Unternehmen sollten deshalb ein Portfolio potenzieller Use Cases identifizieren und diese pragmatisch testen: mit klar abgegrenzten Pilotstudien, Simulationen und – wo sinnvoll – auch mit hybriden oder „quantum-inspirierten“ Verfahren, die sich bereits auf klassischer Hardware wie CPUs und GPUs umsetzen lassen. Hilfreich ist dabei eine schrittweise Umsetzung bis hin zur Quantum Readiness: Idealerweise entsteht zunächst eine Lösung, die als klassische Referenz (Baseline) funktioniert, sich anschließend agil zu einer hybrid quanten-klassischen Architektur erweitern lässt und – abhängig vom Reifegrad der Hardware – perspektivisch immer größere Teile vollständig in Quantenmethoden abbilden kann. So werden frühe Investitionen in Daten, Prozesse, Modellierung und Software-Architektur geschützt, während der quanten-basierte Anteil mit der Hardware mitwachsen kann. Weil unterschiedliche Hardware-Ansätze unterschiedliche Stärken haben, empfiehlt es sich, zunächst mit mehreren Plattformen zu experimentieren. In vielen Fällen müssen Algorithmen angepasst oder neu entwickelt werden. Partner, die Entwicklungsexpertise, ein erprobtes Set an Verfahren und Kontakte zu relevanten Anbietern mitbringen, beschleunigen diese Phase deutlich.
- Eigene Kompetenzen aufbauen: Sobald sich Use Cases herauskristallisieren, die in Pilotprojekten eine belastbare Perspektive zeigen, lohnt es sich, eine differenzierte Strategie zu entwickeln und interne Fähigkeiten systematisch auszubauen, etwa in Form eines „Quantum Champion“-Teams oder eines kleinen Center of Excellence. Dafür braucht es strategischen Weitblick, weil Investitionen heute noch mit Unsicherheit verbunden sind. Entwicklerinnen und Entwickler sollten früh mit den Grundlagen, Denkweisen und Werkzeugen vertraut gemacht werden. Anschließend sind gezielte Trainings auf den priorisierten Hardware- und Software-Plattformen entscheidend, um Prototypen in robuste Lösungen zu überführen.
- Umfassende Governance sicherstellen: Wie bei allen neuen Technologien müssen Unternehmen Governance, Sicherheit und Compliance von Beginn an mitdenken. Im Quantencomputing kommen zwei Aspekte hinzu: Erstens ist das Investitionsrisiko hoch, weil Zeitpunkt und Umfang eines späteren ROI noch schwer abzuschätzen sind. Zweitens bestehen potenziell starke Abhängigkeiten von Hardware-Anbietern und deren Technologie-Stacks. Unternehmen sollten daher bewusst Multi-Vendor-Strategien prüfen, Pilotprojekte sauber dokumentieren und Risiken, zum Beispiel durch Exportbestimmungen oder die wirtschaftliche Stabilität einzelner Anbieter, in ihre Planung einbeziehen. Ein Netzwerk mit vielen Partnern kann helfen, wobei die großen US-Plattformen für Quantencomputing derzeit ausgereifter sind und sich einfacher nutzen lassen, während die europäischen Lösungen noch mehr individuelle Absprachen und eine stärkere Einbindung in die R&D-Aktivitäten der Anbieter erfordern. Gerade in diesem Governance-Kontext sind externe Partner sehr zu empfehlen: Sie bringen Erfahrung aus vergleichbaren Technologieeinführungen mit, kennen regulatorische Anforderungen und Anbieterlandschaften und können schon vor dem Start größerer Pilotprojekte helfen, belastbare Entscheidungs- und Kontrollmechanismen aufzusetzen, darunter Anbieter- und Exit-Strategien, Risikomodelle, Auditierbarkeit sowie Dokumentationsstandards. Als zentralen Kernpunkt sollte Quantum Readiness zwingend auch „Krypto-Agilität“ umfassen, also die Inventarisierung kryptografischer Verfahren, Migrationspläne zu post-quantensicheren Standards und den Schutz vor „Harvest now, decrypt later“-Szenarien, in denen heute abgegriffene Daten zu einem späteren Zeitpunkt mit leistungsfähigeren Quantenrechnern entschlüsselt werden.
- Ausreichende Budgets einplanen: Die sorgfältige Evaluierung eines einzelnen Use Case kann derzeit fünf- bis sechsstellige Beträge erfordern. Unternehmen müssen also verhältnismäßig hohe Budgets für den Einstieg ins Quantencomputing bereitstellen – wobei erfahrene Beratungspartner helfen können, Kosten vorab abzuschätzen und im Rahmen zu halten. Einerseits, weil sie in der Lage sind, Algorithmen auf geringen Ressourcenverbrauch hin zu optimieren, sodass die Machbarkeitstests keine übermäßigen Rechenzeiten beanspruchen. Andererseits, weil sie enge Kontakte zu den Anbietern von Quantencomputing-Services mitbringen und beim Aushandeln individueller Konditionen unterstützen können. Gerade bei Hardware-Anbietern, deren Geschäftsmodelle sich noch im Aufbau befinden, lassen sich Pilotkonditionen möglicherweise projektbezogen gestalten, was frühe Lernkurven ermöglicht, ohne die Budgets ausufern zu lassen.
„Der Einstieg ins Quantencomputing ist aufwendig und nicht frei von Risiken – gleichzeitig ist er eine strategische Investition in die eigene Zukunftsfähigkeit“, erklärt Christian Nietner, Innovation Center Lead for Quantum Computing bei NTT DATA DACH. „Wer heute strukturiert Use Cases identifiziert, Pilotprojekte sauber aufsetzt, Sicherheit und Governance vorbereitet und die richtigen Kompetenzen aufbaut, kann den späteren Technologiereifegrad schneller in Geschäftswert übersetzen. Der entscheidende Erfolgsfaktor ist jetzt, einen erfahrenen Partner zu finden, der dem Unternehmen hilft, das komplexe Feld realistisch einzuordnen, und es auf dem Weg zur Quantum Readiness begleitet.“
NTT DATA ist Teil der NTT Group, die parallel zur Arbeit an Algorithmen und Software-Lösungen auch in eigene Quanten-Hardware investiert. Bis 2030 soll in diesem Zusammenhang ein optischer Quantencomputer mit einer Million Qubits entstehen.