Was braucht es, um Menschen auf einen Fertigungsarbeitsplatz vorzubereiten, der zunehmend von KI geprägt ist?
Diese Frage wird zu einem zentralen Bestandteil der Fertigungsstrategie. In einem kürzlich geführten Gespräch mit Carolyn Lee, President des Manufacturing Institute, haben wir sie aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet.
Das Manufacturing Institute mit Sitz in Washington, DC, konzentriert sich auf den Aufbau und die Stärkung der Belegschaft in der Fertigungsindustrie. Bei NTT DATA arbeiten wir mit Produktionsunternehmen zusammen, die ihre Abläufe modernisieren und KI in den Arbeitsalltag integrieren. Wir kamen zum selben Schluss: Die Zukunft der Fertigung hängt davon ab, Menschen, Prozesse und Technologie gemeinsam weiterzuentwickeln und zu transformieren.
Die Belegschaft ist Teil des Kerns
Fertigung war schon immer auf Menschen angewiesen. Die Bediener von Produktionslinien, die Techniker, die Anlagen warten, und die Teams, die täglich Probleme lösen, bleiben entscheidend für die Leistungsfähigkeit von Fabriken.
Damit wird die Einsatzbereitschaft der Belegschaft zu einer der ersten Prioritäten, wenn Sie KI tiefer in tägliche Workflows und Entscheidungen integrieren. Mitarbeitende müssen sich anpassen, indem sie die Technologie annehmen und verstehen, wie sie wirksam mit ihr interagieren. Noch wichtiger ist, dass sie erkennen, wann menschliches Urteilsvermögen Vorrang haben muss.
Laut dem Everest-Group-Report Future of Work 2030: A Playbook for Workforce Transformation, der unter anderem von NTT DATA gesponsert wurde, erwarten 82 % der Hersteller, bis 2030 mehr als 30 % ihrer Belegschaft umzuschulen. 70 % erwarten, dass KI-Copiloten zu einem zentralen Bestandteil der täglichen Arbeit werden. Diese Zahlen weisen sowohl auf Veränderungen bei der Technologieeinführung als auch bei der Art hin, wie Arbeit in der Fertigung künftig ausgeführt wird.
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KI verändert die Arbeit, bevor sie den Beruf verändert
Öffentliche Diskussionen über KI beginnen häufig mit Sorgen um Arbeitsplatzverluste. Carolyn brachte jedoch eine andere Perspektive ein. Die Fertigungsindustrie stand im Zentrum jeder industriellen Revolution, und jede davon hat die Art der Arbeit verändert. KI wird dasselbe tun. Ein Instandhaltungstechniker, der zur Diagnose eines Problems bisher auf Erfahrung, die Prüfung von Protokollen oder die Suche in Handbüchern angewiesen war, kann heute einen KI-Assistenten nutzen, um mögliche Ursachen schneller einzugrenzen. Dafür braucht es sowohl technisches Fachwissen als auch die Fähigkeit, die richtigen Fragen zu formulieren, Antworten einzuschätzen und zu erkennen, wann menschliches Urteilsvermögen Vorrang haben sollte.
Wir sehen das bereits in der Praxis. Wir arbeiteten mit einem führenden Automotive-Unternehmen zusammen, bei dem wichtiges Instandhaltungswissen im Laufe der Jahre an ganz unterschiedlichen Orten gelandet war - von Wissensdatenbanken und Protokollen über Videos bis hin zur Erfahrung einzelner Mitarbeitender. Gemeinsam mit unserem Kunden entwickelten wir eine KI-Fähigkeit, die all diese Informationen in einem kurzen Dialog verfügbar machte. Dadurch konnte das Unternehmen Ausfallzeiten von durchschnittlich fünf oder sechs Stunden auf etwa 20 Minuten reduzieren.
KI verschaffte Mitarbeitenden unter Zeitdruck schnelleren Zugriff auf das benötigte Wissen. Gleichzeitig mussten sie lernen, mit dem System zu interagieren, bessere Fragen zu stellen und seine Antworten zu bewerten. Die Technologie schuf also eine neue Kompetenzanforderung, während sie zugleich die Arbeit verbesserte.
KI, Menschen und Transformation der Belegschaft
Der Everest-Group-Report stellt fest: „43 % der Unternehmen sehen geringe Mitarbeiterakzeptanz oder Widerstand gegen Veränderungen als eine zentrale Herausforderung bei der Skalierung der Arbeitsplatztransformation.“ Das ist ein klares Signal dafür, dass die Vorbereitung der Belegschaft von Anfang an Bestandteil einer KI-Strategie sein muss.
Hersteller müssen mit einem klaren Geschäftsproblem, eindeutiger Business-Verantwortung und Führungskräften beginnen, die erklären können, warum die Veränderung wichtig ist. Ihre Belegschaft benötigt kontinuierliche KI- und Datenkompetenz, die sich nicht in einer einzelnen Schulung entwickeln lässt. Ebenso braucht Ihr Unternehmen starke Governance, die menschliche Verantwortung für Sicherheit, Ethik, Security und Entscheidungen bewahrt - insbesondere dort, wo Kontext und Urteilsvermögen entscheidend sind.
Genau das bedeutet die Modernisierung des Kerns aus Sicht der Belegschaft: eine Betriebsumgebung zu schaffen, in der KI und Menschen einander verstärken und Mitarbeitende dadurch sicherer, verantwortungsvoller und produktiver arbeiten können.
Lernen muss kontinuierlich und arbeitsnah sein
Die heutige Belegschaft vorzubereiten ist nur ein Teil der Herausforderung. Die Fertigungsindustrie muss auch die nächste Generation von Mitarbeitenden vorbereiten und Schülerinnen, Schüler und Studierende mit den technischen und problemlösungsorientierten Fähigkeiten ausstatten, die sie benötigen, bevor sie erstmals eine Produktionshalle betreten. Da KI die Fertigung auf vielfältige Weise verändert, müssen Bildung und Industrie künftig enger zusammenarbeiten als je zuvor.
Das ist einer der Gründe, warum ich das FAME-Programm des Manufacturing Institute so schätze. Sein Earn-and-Learn-Modell verbindet Unterricht mit praktischer Erfahrung in realen Fertigungsumgebungen. Die Teilnehmenden arbeiten mit Arbeitgebern und Mentoren zusammen und entwickeln dabei technische Fähigkeiten sowie professionelle Kompetenzen wie Kommunikation, Teamarbeit, Problemlösung und kontinuierliche Verbesserung.
Diese Fähigkeiten werden in einem KI-gestützten Arbeitsumfeld noch wertvoller. Kein einzelnes Trainingsprogramm kann Mitarbeitende auf jedes Tool oder jeden Anwendungsfall vorbereiten, der künftig entstehen wird. Es kann jedoch Menschen befähigen, kontinuierlich zu lernen, sich an neue Technologien anzupassen und sie in realen Situationen überlegt einzusetzen.
FAME verfügt inzwischen über 45 Chapter in 17 US-Bundesstaaten und erreicht rund 1.500 Studierende. Wachstum ist hier entscheidend, denn die Fertigungsindustrie braucht mehr als eine einmalige Talentinitiative. Sie benötigt wiederholbare Modelle, die Bildung mit realer Arbeit verbinden und Menschen helfen, schneller produktiv zu werden.
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