Digitale Infrastruktur trifft auf Human Design: Wie Physical AI Städte verändert | NTT DATA

Di, 20 Januar 2026

Digitale Infrastruktur trifft auf Human Design: Wie Physical AI Städte verändert

Innovationsökosysteme, kreative Finanzierungsmodelle und digitale Konnektivität verändern Mobilität und urbane Infrastruktur

Es ist 7:42 Uhr morgens in einer Großstadt. Eine geplatzte Wasserleitung bringt den Verkehr auf einer zentralen Kreuzung zum Erliegen. Busse ohne Echtzeitinformationen versuchen hastig, ihre Routen anzupassen, Lkw stauen sich an der Ausfahrt eines Hafenterminals. Mobilitäts-Apps brechen unter der plötzlichen Belastung zusammen und tausende Pendler:innen kommen nicht weiter. Nicht, weil es an Infrastruktur fehlt, sondern weil die Systeme der Stadt weder ausreichend vernetzt noch resilient sind.

Mit dem Wachstum urbaner Bevölkerungen werden Lücken in Mobilitäts- und Infrastrukturnetzen zu einer zentralen Herausforderung. Über 80 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts werden in Städten erwirtschaftet. Gleichzeitig gefährdet das Ungleichgewicht zwischen Wachstum und Planung die langfristige Nachhaltigkeit. Bis zum Jahr 2050 werden 68 Prozent der Weltbevölkerung in urbanen Räumen leben, häufig in Regionen ohne langfristige Mobilitätsstrategien oder nachhaltige Stadtplanung. Der Handlungsdruck steigt. 

Wenn Megastädte langfristig prosperieren sollen, brauchen sie einen integrierten Ansatz, der die Leistungsfähigkeit von KI, kollaborativen Ökosystemen, digitaler Konnektivität und menschenzentriertem Design in einer gemeinsamen Transformationsstrategie zusammenführt.

Physical AI: Ein neuer Bauplan für die städtische Entwicklung

Über Jahrzehnte hinweg stützten sich städtische Mobilitätsinitiativen vor allem auf Verkehrsbehörden und Stadtplaner. Die ausschließliche Fokussierung auf diese klassischen Akteure hat jedoch blinde Flecken entstehen lassen. Bürgerinnen und Bürger, Start-ups, Fahrzeughersteller, Logistikunternehmen und Technologiepartner bleiben oft außen vor, obwohl sie für das Funktionieren urbaner Systeme entscheidend sind.

Leistungsfähige Städte setzen deshalb auf Physical AI, um diese Silos aufzubrechen.

Physische KI verbindet das IoT mit Künstlicher Intelligenz, geht dabei aber architektonisch einen entscheidenden Schritt weiter: Die Datenverarbeitung erfolgt am Edge. Statt Informationen zentral in der Cloud zu verarbeiten, werden Daten lokal ausgewertet. Das ermöglicht schnellere Reaktionszeiten und geringere Latenz. Die eingesetzten Modelle sind leichtgewichtig, kosteneffizient und stärker in Physik und Mathematik verankert als in sprachbasierten Abstraktionen.

Städte sind per Definition physische Systeme. Sie steuern Straßen, Versorgungsnetze, Gebäude und öffentliche Räume in Echtzeit. Während KI bislang vor allem in digitalen Domänen eingesetzt wurde, etwa zur Optimierung von IT-Budgets, markiert physische KI einen Wendepunkt. Sie erlaubt die kontinuierliche Steuerung physischer Infrastrukturen in Echtzeit und hebt Reaktionsfähigkeit, Zuverlässigkeit und Servicequalität auf ein neues Niveau.

Die Einsatzfelder reichen von Luft- und Wasserqualität über Verkehrssteuerung, öffentliche Sicherheit und Brandschutz bis hin zur Anpassung an Wetterereignisse. Mit der zunehmenden Verbreitung autonomer Fahrzeuge in urbanen Räumen wird die Bedeutung physischer KI weiter exponentiell wachsen.

Der Bedarf an integrierter Innovation

Doch sind Städte darauf vorbereitet?

Was sie benötigen, ist ein integriertes Innovationsökosystem, in dem Wirtschaft, Wissenschaft und kommunale Entscheidungsträger gemeinsam physische KI-Lösungen entwickeln. Solche Kooperationen schaffen sozialen und wirtschaftlichen Mehrwert und machen Städte zu Treibern von Effizienz, Nachhaltigkeit und Inklusion.

Allein mit Ökosystemen ist es jedoch nicht getan. KI ist kostenintensiv. Das zeigen nicht nur aktuelle Unternehmensbewertungen, sondern auch der Boom von Rechenzentren. Es bedarf neuer Wege, um KI-Innovationen und urbane Transformation zu finanzieren und skalierbar umzusetzen. Innovative Finanzierungsmodelle helfen, bestehende Infrastrukturen zu modernisieren und neue Technologien zu erproben:

  • Öffentlich-private Partnerschaften verteilen Risiken und beschleunigen den Ausbau von KI-Infrastruktur und Mobilitätsdiensten.
  • Ergebnisorientierte Finanzierungsmodelle koppeln Investitionen an klar definierte, messbare Verbesserungen wie weniger Staus, bessere Wasserqualität oder geringere Emissionen. So wird sichergestellt, dass Mittel direkt in nachweisbare Fortschritte fließen.
  • Innovationsfonds und Shared-Value-Modelle ermöglichen es mehreren Akteuren, gemeinsam in Lösungen zu investieren, die der gesamten Stadt zugutekommen, und dabei den Rechenzentrumsboom in urbanen Räumen sinnvoll zu nutzen.

Digitale Konnektivität: Die neue KI-Infrastruktur

So wie Städte im zwanzigsten Jahrhundert auf Straßen und Elektrizität angewiesen waren, basieren die Städte des einundzwanzigsten Jahrhunderts auf Konnektivität. Breitbandnetze, 5G, IoT-Infrastrukturen und KI-Plattformen bilden das Fundament für Mobilität, Energieversorgung, Logistik und öffentliche Sicherheit.

Bereits heute zeigen innovative Städte, was möglich ist:

  • In Brownsville im US-Bundesstaat Texas wird privates 5G eingesetzt, um Physical AI für Anwendungen im Bereich der öffentlichen Sicherheit bereitzustellen.
  • In Madrid Nuevo Norte verbessern offene digitale Architekturen und Datenplattformen die Erreichbarkeit für Pendler:innen und optimieren Verkehrsflüsse.
  • Am Bahnhof Chamartín in Madrid liefern KI und digitale Zwillinge Echtzeit-Einblicke in Auslastung, Passagierströme und operative Anforderungen.
  • Datenräume für Mobilität (Mobility Data Trusts) schaffen sichere, souveräne Marktplätze für Mobilitätsdaten, auf denen öffentliche und private Akteure Informationen austauschen können, ohne Vertrauen zu gefährden. 

Physical AI as a Service: Reibungsloser Verkehr für Menschen und Waren

Der Güterverkehr ist das Rückgrat urbaner Wirtschaft, zugleich aber eine wesentliche Ursache für Staus und Emissionen.

Physical AI as a Service verändert grundlegend, wie Waren durch Häfen, Bahnhöfe und Verteilzentren fließen. Durch koordinierte Planung, datengestützte Routenführung und bessere Schienenanbindungen können Städte:

  • den Verkehr rund um Logistikterminals reduzieren,
  • den Güterumschlag beschleunigen,
  • Kosten und Emissionen senken,
  • und Anreize für eine Verlagerung von der Straße auf die Schiene schaffen.

Menschenzentrierte Stadtplanung: Die Erfolgsformel

Großartige Städte entstehen nicht durch KI allein, sondern durch Menschen. Jede technologische Innovation, einschließlich digitaler Zwillinge und physischer KI, muss letztlich menschlichen Bedürfnissen dienen, etwa Zugänglichkeit, Sicherheit, Fairness, Nachhaltigkeit und Lebensqualität.

Das ist der Kern menschenzentrierter Stadtplanung: Technologie und Finanzierung gezielt einzusetzen, um die Lebensqualität aller Bürgerinnen und Bürger zu verbessern, unabhängig davon, wo sie leben oder wie sie sich fortbewegen.

Es gibt jedoch auch Gegenwind: Der rasche Ausbau von KI und Hyperscale-Rechenzentren in dicht besiedelten Städten belastet Stromnetze, die nicht für diesen Energiebedarf ausgelegt sind. Die Folge sind Netzengpässe und steigende Strompreise.

Das wirft eine tiefgreifendere Frage über die neue „Machtgleichung” in KI-gestützten Städten auf.

Die Leistungsfähigkeit von KI skaliert mit dem Zugang zu Energie. Begrenzte Kapazitäten bremsen Innovation, während verfügbare Energie sie beschleunigt. Ohne kluge Regulierung droht eine urbane Ungleichheit, in der große Technologieunternehmen bevorzugten Zugang zu Energie erhalten, während Kommunen höhere Kosten tragen und nur begrenzt profitieren.

Doch Städte können diese Gleichung aktiv ändern. Warum nicht bei städtischen Rechenzentren gezielt Kapazitäten für lokale, Edge-basierte Anwendungsfälle physischer KI reservieren? So entstehen unmittelbare Vorteile für die Stadt und ihre Bevölkerung.

Die urbane Zukunft: Vernetzt, inklusiv und gemeinsam gestaltet

Städte sind wichtige Impulsgeber für Chancen, Innovation und Gemeinschaft.

Indem sie kreative Finanzierungsmodelle mit integrierten Innovationsökosystemen verbinden, können sie ihre Wirtschaft neu ausrichten, Mobilität verbessern und die Vision des Weltwirtschaftsforums von einer vernetzten, inklusiven und nachhaltigen urbanen Zukunft Wirklichkeit werden lassen.

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