Handels- und Konsumgüterunternehmen haben bei der Einführung von KI große Fortschritte gemacht. Sie nutzen KI, um Nachfrageprognosen zu präzisieren und Konsumentenerlebnisse stärker zu personalisieren. Gleichzeitig optimieren sie Lieferketten und Produktionsabläufe, indem sie Betriebsmodelle und Arbeitsweisen neu gestalten.
Auf dem Papier setzt die Branche damit voll auf KI. Doch es fehlt vielerorts an der entscheidenden Grundlage.
Die Daten aus dem NTT DATA Report „Cloud-led Innovation in the Age of AI: The new rules for driving value with cloud“ zeigen: Nahezu alle Handels- und Konsumgüterunternehmen (98 %) geben an, dass KI den Investitionsbedarf in die Cloud erhöht hat. Die Cloud ist zur operativen Umsetzungsebene des KI-Betriebsmodells geworden – dort werden Daten integriert, Entscheidungen getroffen und unternehmensweit Maßnahmen ausgelöst.
Obwohl die Bedeutung von Cloud-Investitionen nahezu überall erkannt wird, verfügen bislang nur wenige Unternehmen über das Cloud-Fundament, das sie für eine wirksame Skalierung von KI benötigen. Nur 22 % der Handels- und Konsumgüterunternehmen zählen sich zu den wirklich fortgeschrittenen Cloud-Anwendern – also zu der Gruppe, die bei Einführung und Wirkung der Cloud am weitesten ist. Lediglich 49 % sind mit ihren Fortschritten bei Cloud-getriebenen Innovationen zufrieden.
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Wo KI-Strategien im Handel und in der Konsumgüterbranche ins Stocken geraten
KI-Strategien im Handel und in der Konsumgüterbranche geraten genau dort ins Stocken, wo Anspruch und tatsächliche Fähigkeiten auseinanderliegen. Die heute eingesetzten KI-Anwendungsfälle sind zweifellos wichtige Fortschritte. Bleiben sie jedoch isolierte Verbesserungen statt Teil eines koordinierten Systems, fallen die Ergebnisse für die Unternehmensführung oft ernüchternd aus.
Wir haben den Schritt von einzelnen Agenten zu Agentensystemen vollzogen, die ganze Prozesse neu gestalten. Um das volle Potenzial von KI zu erschließen, müssen Prozesse jedoch über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg durchgängig neu gedacht werden – über Abteilungen und sogar Unternehmensgrenzen hinweg.
Erfolgreiche Handels- und Konsumgüterunternehmen arbeiten mit einer durchgängig orchestrierten Wertschöpfungskette. Veränderungen der Nachfrage sollten sich unmittelbar auf Supply-Entscheidungen auswirken. Engpässe im Angebot sollten bestimmen, welche Produkte beworben und wie Bestellungen erfüllt werden. Die operative Leistungsfähigkeit sollte wiederum beeinflussen, wie Working Capital eingesetzt wird.
KI ermöglicht diese Form der Orchestrierung. So können Unternehmen das richtige Produkt über den richtigen Kanal, mit der passenden Promotion, am richtigen Ort und zur richtigen Zeit anbieten.
Ohne ein starkes Cloud-Fundament ist all das jedoch nicht möglich. Begrenzte Cloud-native-Fähigkeiten behindern den Erfolg von KI ebenso wie fragmentierte Daten und die Einschränkungen bestehender ERP- und Supply-Chain-Plattformen.
Hinzu kommt ein Missverhältnis zwischen Anspruch und Investitionen. Während der Bedarf an KI stark wächst, sind die Cloud-Investitionen bei fast neun von zehn Handels- und Konsumgüterunternehmen nahezu unverändert geblieben. Ebenso viele räumen ein, dass ihr derzeitiges Investitionsniveau Cloud-native-, KI- und Modernisierungsinitiativen gefährdet.
Der wahre Mehrwert liegt in der Orchestrierung
Es überrascht nicht, dass Handels- und Konsumgüterunternehmen die Modernisierung in unserer Studie als eines der größten Innovationshemmnisse nennen. Genau hier muss sich jedoch die Diskussion über Cloud und KI verändern. Zu oft wird die Cloud lediglich als Modernisierungsprojekt verstanden: Systeme werden migriert, Infrastruktur wird aktualisiert oder neue Tools werden eingeführt. Der eigentliche Wert für Handels- und Konsumgüterunternehmen liegt jedoch in der Orchestrierung – also darin, Nachfrage, Angebot, operative Abläufe sowie Kunden- und Konsumentenerlebnisse zu einem gemeinsamen, reaktionsfähigen System zu verbinden.
Cloud und KI schaffen Transparenz und Koordination entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dadurch verändert sich auch das Potenzial grundlegend. Es geht nicht nur darum, Produkte mithilfe von KI gezielter zu bewerben oder einzelne Prozesse zu automatisieren. Ebenso wichtig ist es zu verstehen, welche Produkte wo verkauft werden sollten, wie Bestellungen erfüllt werden und wie sich jede Entscheidung auf Kosten, Servicelevel und Working Capital im gesamten Unternehmen auswirkt.
Sind all diese Daten miteinander verknüpft, können Handels- und Konsumgüterunternehmen über punktuelle Optimierungen hinausgehen und den Wert des Gesamtsystems maximieren.
Was Cloud-Vorreiter anders machen
Eine kleine Gruppe branchenübergreifender Unternehmen geht weltweit bereits voran. In unserer Studie haben wir sie als Cloud Leader identifiziert. Sie bauen ihre IT-Umgebungen von Grund auf so auf, dass sie KI unterstützen.
Weil sie die Cloud als strategische Umsetzungsebene für KI verstehen, ist eine höhere KI-Readiness ihr wichtigstes Cloud-Ziel. 75 % planen, ihre Cloud-Investitionen deutlich zu erhöhen. Bei allen anderen Unternehmen sind es lediglich 43 %.
Diese Cloud Leader machen bestimmte Dinge anders:
- Sie verstehen Daten als gemeinsames Gut und nicht als Eigentum einzelner Funktionen. Entsprechend investieren sie in Datenmanagement und Governance.
- Sie verlagern den Fokus von der Optimierung einzelner Silos auf die Orchestrierung der gesamten Wertschöpfungskette. Dazu verknüpfen sie Nachfragesignale direkt mit Supply-Entscheidungen, stimmen operative Kapazitäten auf Zusagen an Kunden und Konsumenten ab und sorgen dafür, dass Erkenntnisse in Echtzeit durch das gesamte Unternehmen fließen.
- Sie investieren in plattformbasierte Architekturen, die Daten, Anwendungen und Prozesse zu einem konsistenten Ganzen verbinden.
Entscheidend ist: Sie behandeln Cloud und KI nicht als voneinander getrennte Initiativen. Stattdessen entwickeln sie beides gemeinsam weiter – in dem Wissen, dass sich keines von beiden ohne das andere skalieren lässt.
Mit der Skalierung entstehen zugleich neue Anforderungen an Sicherheit und Governance. Unsere Studie zeigt, dass alle Handels- und Konsumgüterunternehmen in den kommenden zwei Jahren mit einer zunehmenden Nutzung von Private und Sovereign Cloud rechnen. Für Sovereign Cloud wird in diesem Zeitraum ein Wachstum von 61 % erwartet.
Zum Mehrwert gibt es keine Abkürzung
Eine der klarsten Erkenntnisse unserer Studie ist zugleich eine der einfachsten: Es gibt keine Abkürzung. Wenn Sie KI weiterhin nur auf bestehende Systeme aufsetzen, ohne in das Cloud-Fundament zu investieren, werden die Ergebnisse begrenzt bleiben.
Was sollte Ihr Unternehmen also tun, um sich abzuheben?
Betrachten Sie die Cloud nicht länger nur als Infrastruktur und KI nicht als Zusatzlösung. Schaffen Sie das Fundament neu, vernetzen Sie die Systeme und richten Sie Ihre Architektur von Anfang an auf KI aus. Ihr nächster Wettbewerbsvorteil entsteht nicht durch KI allein, sondern dadurch, wie gut Ihr Unternehmen darauf ausgerichtet ist, sie zu nutzen.
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